Zentrum für interkulturelle Bildung & Begegnung Gießen

Der kleine Ort für die große Vielfalt

Veranstaltungsdetails

Zwischen Traum und Trauma: Nicaragua 47 Jahre nach der Revolution – Politik, Musik & Debatte

Mittwoch, 25.11.2026 | 19:30 – 22:00 Uhr
ZiBB – Zentrum für interkulturelle Bildung und Begegnung | Hannah-Arendt-Straße 10 | 35394 Gießen

Zeitzeugenbericht von Dora María Téllez (Guerilla-Kämpferin, Gesundheitsministerin,
Historikerin) Barbara Lucas (Informationsbüro Nicaragua e.V. Übersetzung,
Moderation) sowie Grupo Sal DUO (Aníbal Civilotti und Fernando Dias Costa).
„Dora María Téllez studierte in den 1970er Jahren Medizin in Leon, brach dann aber ihr Studium ab
und schloss sich der Befreiungsbewegung Frente Sandinista de Liberación Nacional (FSLN) im
Kampf gegen die damals herrschende Somoza-Diktatur an, die von den USA gestützt wurde. 1978
nahm sie an der spektakulären Besetzung des Nationalpalastes teil, der die FSLN und ihr Programm
weltweit in die Medien brachte und mit der über 60 politische Gefangene befreit werden konnten.
Im Jahr darauf eroberte sie mit ihrer Guerillagruppe in einem breit angelegten Volksaufstand die
Stadt Leon, die zum Brückenpunkt für die Befreiung des ganzen Landes im Juli 1979 wurde.
Während der Regierungszeit der FSLN in den 80er Jahren war sie viele Jahre Gesundheits-
ministerin, organisierte Gesundheitskampagnen und setzte sich vor allem für die Belange von
Frauen ein. Nach der Wahlniederlage der FSLN 1990 setzte sie sich für eine demokratische Öffnung
der Partei ein und stellte sich damit gegen ihren ehemaligen Kampfgefährten und heutigen
Diktator Daniel Ortega. Als diese innerparteiliche Initiative scheiterte, gründete sie mit anderen,
u.a. dem Schriftsteller Sergio Ramírez und dem Priester Ernesto Cardenal eine neue Partei, die
heute unter dem Namen Unión Democrática Renovadora (UNAMOS) bekannt ist.
Dora María Téllez studierte in diesen Jahren Geschichte, untersuchte die indigene Vergangenheit
Nicaraguas und hielt Vorträge im In- und Ausland.
Nachdem Daniel Ortega nach einer Verfassungsänderung und einem Pakt mit rechten Parteien in
2007 wieder an die Macht kam, wurde ihre Partei faktisch verboten. Ortega zerstörte nach und
nach die demokratischen Institutionen und errichtete mit seiner Frau Rosario Murillo, sowie seinen
Kindern eine Familiendiktatur, die 2018 einen Volksaufstand blutig niederschlagen ließ.
Dora María Tellez wurde wie viele andere Oppositionelle verhaftet, saß über ein Jahr in
Isolationshaft und wurde schließlich 2023 nach Verhandlungen mit 220 weiteren politischen
Gefangenen in die USA ausgeflogen. Zeitgleich wurde ihnen die Staatsbürgerschaft entzogen und
ihr Besitz sowie ihre Rentenansprüche beschlagnahmt.
Heute lebt sie in Spanien und ist in der nicaraguanischen Opposition im Exil aktiv.“
Veranstaltung am 25. November:
Dora María Téllez wird in einem Gespräch mit Barbara Lucas vom Informationsbüro Nicaragua über
die aktuelle Situation in Nicaragua berichten und analysieren, wie aus einer hoffnungsvollen
Revolution und einem gesellschaftlichen Aufbruch in den 1980er Jahren, eine neue Diktatur
entstehen konnte. Darüber hinaus wird sie im Gespräch mit dem Publikum aufzeigen, wie
Solidarität mit den Menschen in Nicaragua auch heute noch praktiziert werden kann.
Die gesprochenen Beiträge werden umrahmt, durch die Musik des Grupo Sal DUO, Aníbal Civilotti
und Fernando Dias Costa. Dabei entsteht eine mitreißende Atmosphäre, die man so schnell nicht
vergisst.
Eingeleitet wird die Veranstaltung durch einen Rückblick auf 40 Jahre Städtepartnerschaft Gießen
mit San Juan del Sur und Region in Nicaragua. Dazu gibt es eine kleine Ausstellung und einen
Informationsstand.

ZiBB – Zentrum für interkulturelle Bildung und Begegnung
Hannah-Arendt-Straße 10 | 35394 Gießen | Tel.: | info@zibb-giessen.de



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